Anerkennungspreis für unseren Entwurf zum Architekturwettbewerb Gemeindeamt Velden

Die Marktgemeinde Velden am Wörthersee hatte im Herbst 2017 für den Umbau des bestehenden Gemeindeamtsgebäudes und einen daran angrenzenden Neubau eines Büro- und Geschäftsgebäude einen EU-weiten anonymen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, aus dem in der ersten Stufe aus 25 eingereichten Projekten acht Teilnehmer – darunter auch unsere Ideen und Entwürfe – für eine zweite Stufe ausgewählt wurden. In der Endbeurteilung wurde unser Projekt mit einem Anerkennungspreis gewürdigt; als Wettbewerbsgewinner ging das Projekt der Kollegen Pilz und Schwarz aus Graz hervor.

Aufgabenstellung

Gegenstand des Wettbewerbes war die Erlangung von städtebaulichen und baukünstlerischen Vorentwürfen für die innerhalb des Bearbeitungsbereiches liegenden Funktionserfordernisse eines Gemeindeamtsgebäudes, sowie den im Raum- und Funktionsprogramm erläuterten Fremdflächennutzungen und einer gemeinsamen Tiefgarage. Zum einen war die Schaffung einer zeitgemäßen, bürgerfreundlichen, autarken Verwaltungseinheit und zum anderen eine wirtschaftliche aber auch ästhetisch ansprechende Optimierung der Immobilie durch intelligente Integration von Fremdflächen im Rahmen der Bebauungsmöglichkeiten anzubieten.

Unser Lösungsansatz / Entwurf

Ansicht West

Bestandsgebäude

Unser besonderes Augenmerk bei der Konzeption des Projektes haben wir auf die Erhaltung der Identität des Bestandsgebäudes, das gemeinsam mit dem Hotel Carinthia als historisches Ensemble eine städtebauliche Torsituation ausbildet, gelegt. Für die Sanierung des bestehenden Gemeindeamtsgebäudes haben wir daher vorgesehen, das historische Fassadenbild soweit möglich wieder herzustellen und nicht relevante Baumassen rückzubauen. Auch die Dachkonstruktion sollte größtmöglich erhalten werden, um das historische Erscheinungsbild zu festigen.

Sämtliche öffentliche Verwaltungsflächen des Gemeindeamtes könnten im Bestandsgebäude verbleiben; bei der Sanierung des Bestandsgebäudes sollten im Hinblick auf die historischen Bausubstanz die tragenden Wand- und Deckenkonstruktionen größtmöglich erhalten werden. Die neue Liftanlage ermöglicht eine barrierefreie Anbindung aller Geschosse. Der Foyerbereich sollte mit einem SB-Bereich etliche Serviceleistungen rund um die Uhr anbieten und mit einer flexiblen Glasfaltwand während der Amtszeiten erweiterbar sein.

Im zweiten Obergeschoss sieht unser Entwurf einen teilbaren Besprechungsraum vor, der mit einer Terrasse mit Blick auf den See eine attraktive Fläche für repräsentative Empfänge schaffen sollte. Der Erker (Turmzimmer) war nach unseren Ideen für das Büro des Bürgermeisters vorgesehen, wobei die angrenzenden Wandflächen aufgeglast und mit vorgelagerten Terrassen ausgeführt werden sollten. Die Belichtung der Innenraumzonen sollte durch eine Perforierung der innenliegenden Wand zum Besprechungsraum ermöglicht werden, wobei zusätzlich ein vertikales Lichtband an der Südfassade eine natürliche Belichtung ermöglichen sollte.

Die Dachgeschoss-Ebene sollte mit dem zentral positionierten Treppenhaus samt Liftanlage auch barrierefrei erschlossen werden. Das Dach sollte dabei in seiner konstruktiven Grundform weitgehend erhalten bleiben – lediglich zwei neue Dachgaupen über dem Stiegenhaus und dem Besprechungsraum sollten zusätzlichen Raum für die barrierefreie Erschließung sowie Verbesserung der Raumqualität sorgen. Auch die Ausbildung einer Dachterrasse war optional angedacht. In den Mansardenbereichen sollten Lager- und Archivzonen untergebracht werden (bestmögliche Raumausnutzung).

Der Neu- und Zubau

Der Neubau (umfasst auch eine Tiefgarage) sollte als kompakter, zweigeschoßiger Baukörper in Erscheinung treten, der über einem transparenten, durchgängigen Sockelbaukörper schwebt. Die Baukörperhöhe des Neubaus orientiert an der Attikahöhe des historischen Bestandsgebäudes und ist von diesem wesentlich abgerückt, um die Baumasse des historischen Hauptgebäudes größtmöglich aufzuwerten. Transparente Übergänge vom Neubau zum historischen Hauptgebäude (horizontal, vertikal) sollten die Solitärstellung des Hauptgebäudes noch deutlicher zum Ausdruck bringen.

Das Sockelgeschoß wird im Hochparterre durch eine großzügige Passage unterbrochen, welche eine barrierefreie Verbindung von der Rosentaler Straße  zum Gemonaplatz ermöglichen sollte. Die Oberflächengestaltung des Bodens im Außenraum wie auch Innenraum sollte in einer einheitlichen Gestaltung erfolgen, sodass Verkehrsflächen, Passage und Innenraum des Sockelgeschosses zu einem Teil des Gemonaplatzes werden. Die Raumnutzung im Sockelgeschoss des Neubaus beinhaltet größtenteils öffentliche und halböffentliche Flächenbereiche, welche als logische Infrastrukturergänzung im öffentlichen Raum, aber auch als Ergänzung zum Amtsgebäude genutzt werden sollten. Über dem transparenten Sockelgeschoss sollte ein ruhiger, unspektakulärer, trapezförmiger Baukörper in zweigeschoßiger Ausführung „schwebend“ in Erscheinung treten, der vorwiegend Büro-, Ordinations- und Wohnungsflächen beherbergen sollte.

Beurteilung der Wettbewerbsjury

Für die Wettbewerbsjury bildet unser Entwurf einen interessanten, eigenständigen Ansatz, indem er keine Fuge zwischen Alt und Neu ausbildet, sondern einen Bürgersaal und Cafe gekonnt als Bindeglied zwischen Amtshaus und Neubau setzt und im Süden eine Passage als Verbindung zwischen Rosentaler Straße und Gemonaplatz ausbildet. Positiv bewertet wurde auch die behutsame Sanierung des Bestandsgebäudes, um das historische Erscheinungsbild zu erhalten. Die Ausbildung des Neubaus erachtet die Jury aufgrund seiner abstrakten Ausformung als zu urban und nicht ortstypisch (Zitat: „eher die Formensprache eines Kongresszentrums“). Letztlich wurde auch die Passage zum Gemonaplatz aufgrund fehlender Sichtbeziehung (Zitat „Hinterhofsituation“) in Frage gestellt.